Agileros vs. klassische Projektmanager – Teil 1
Projekte haben sich überlebt. Ihre Tage als Organisationsform sind gezählt. Agile Coaches meinen, Projekte seien ungeeignet, um aktuelle Unternehmensprobleme zu lösen. Sie verhindern die kundenorientierte Wertschöpfung und sind nicht geeignet permanten Wandel wirksam zu steuern. Welche Daseinsberechtigung haben Projekte noch?
Anstatt der klassisch Linien- und Projektorganisationen fordern Agile Coaches die agile Transformation des gesamten Unternehmens. Auch der Begriff des agilen Projektmanagements wird abgelehnt, da dadurch das falsche Bewusstsein nur zementiert würde.
Aus meiner Sicht ist das “Projekt” noch immer eine notwendiger und vailder Begriff. Das Projekt als Bezeichnung ist nicht überkommen, sondern wird nur häufig falsch verwendet. Ursprünglich bezeichnete er eine auf Zeit begründete Organisation, mit dem eindeutigen Arbeitsauftrag versehen, etwas Neues zu schaffen. Er wurde als Abgrenzung zur Regelorganisation definiert, die in der Regel langfristig begründet, alle wiederkehrenden Aufgaben des Geschäftsbetriebs ausführt.
Die allgemein akzeptierte Definition des Begriffs “Projekt” ist:
“Ein Projekt ist ein zeitlich begrenztes Vorhaben mit definierten Anfang und Ende, dass unternommen wird um einen neuartigen Zweck und Ziele zu erreichen. Ein Projekt ist üblicherweise zeitlich begrenzt und häufig durch begrenzt durch das vorhandene Budget oder definierte Lieferergebnisse.
Diese Definition unterstellt weder, dass ein Projekt das Vorhaben nach einem fixierten und detaillierten Plan umsetzt, noch das dieses ein stabiles Umfeld voraussetzt. Diese Definition grenzt ein Projekt als eine zeitlich begrenzte Aktivität um etwas Neues zu schaffen ab, von den Standardabläufen, die in vielen Organisationen vorherrschen.
Diese Abgrenzung ist aus meiner Sicht weiterhin erforderlich und gültig. Insbesondere in Branchen, in denen schrittweise Erweiterungen nicht möglich sind, oder mit einem enormen Anstieg der Grenzkosten verbunden wäre, wie zum Beispiel im Großanlagenbau oder im Baugewerbe.
Der heutige Gebrauch nahezu alles mit dem Wort “Projekt” zu titulieren, für das ein neues Budget zu definieren ist, oder dessen Detailumfang nicht von vorneherein klar ist, richtet großen wirtschaftlichen Schaden an. Dieser Mißbrauch der Bezeichnung ist auf eine falsche Wahrnehmung seitens der handelnden und entscheidenden Manager und ihre Unfähigkeit die Anforderungen der Situation richtig zu verstehen und daraus den richtigen Lösungsansatz und die geeignete Form der Organisation und des Vorgehens abzuleiten.
Problematisch wird die Bezeichnung Projekt dann, wenn das Management nicht in der Lage ist zu identifizieren, ob das “Projekt” in einem stabilen oder einem hochvolatilen Umfeld operiert. Letzteres erfordert einen anderen Managementstil als Ersteres.
Um nun den nächsten Sprung nach vorne zu machen, ist es weder notwendig, noch reicht es aus, dass Wort “Projekt” aus dem Wortschatz zu verbannen. Vielmehr ist es erforderlich, zu einem tieferen Verständnis und einer klaren Unterscheidung zwischen “standardisierten Abläufen”, Projekten und dem Management eines kontinuierlichen Flusses ständiger Veränderungen zu kommen. Für den letzten Zustand, der bereits jetzt schon eine enorme Bedeutung gewonnen hat, fehlt uns leider eine kurze, prägnante Bezeichnunge. Was wiederum bezeichnend für unseren aktuellen Erkenntnisstand ist.

Diese Diskussion wird spannend: manche Unternehmen beginnen gerade Projekte als solche zu verstehen und zu steuern und jetzt das.
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